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Warum gibt es Förderkreise?

Privatpersonen werden nicht direkt Mitglieder der internationalen Genossenschaft Oikocredit. Sie treten stattdessen einem der beiden Schweizer Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Institutionen, die bei Oikocredit investieren.

Die Förderkreise sind für die treuhänderische Verwaltung der Gelder und die Mitgliederbetreuung zuständig. Sie sind Teil der internationalen Genossenschaft Oikocredit und üben dort ihr Stimmrecht aus.
In der Schweiz gibt es zwei Förderkreise: Oikocredit deutsche Schweiz und Oikocredit Suisse Romande. InvestorInnen wählen ihren Förderkreis gemäss Ihres Wohnsitzes und/oder ihrer sprachlichen Präferenzen. Italienischsprachige SchweizerInnen werden in beiden Förderkreisen gerne aufgenommen.

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Oikocredit hilft bei der Vorbereitung gegen Naturkatastrophen

Oikocredit hilft bei der Vorbereitung gegen Naturkatastrophen

Marilou Portrait.png Februar 2019

Ein Teil der Arbeit von Oikocredit ist es, den Partnern dabei zu helfen, sich weiterzuentwickeln. Zum Capacity Building gehört auch die Katastrophenvorsorge.

Diese Unterstützung erhalten Partner in Gebieten, die von Naturkatastrophen besonders häufig betroffen sind. Nachdem das „Disaster Risk Reduction Management“-Programm (DRRM-Programm) auf den Philippinen und in Südostasien erfolgreich getestet wurde, wurde es nun auf Partner in anderen Ländern wie Ecuador ausgeweitet.

Oikocredit International hat ausserdem einen praktischen Leitfaden mit und für Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) erstellt, der auf den Erfahrungen basiert, die während der Einführungsphase gewonnen wurden. Marilou Juanito, Oikocredits regionale Koordinatorin für Capacity Building und Social Performance in Südostasien, erklärt im Interview die Bedeutung des Programms.

Warum ist Katastrophenvorsorge für Mikrofinanzinstitutionen wichtig?

Bei Naturkatastrophen erleiden MFIs finanzielle und nicht-finanzielle Verluste. Im schlimmsten Fall werden KundInnen durch die Naturkatastrophe getötet. Meist ist es so, dass die KundInnen ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können und dadurch die Betriebskosten der MFIs steigen. Nichtfinanzielle Verluste sind etwa der Verlust von Dateien und Aufzeichnungen sowie Schäden für das Büro wie Stromausfälle, die den Betrieb verzögern oder stoppen können.

MFIs haben oft keine klare Bereitschaftsplanung und konzentrieren sich nur auf die Erstmassnahmen und die Sanierung. Es ist jedoch unabdingbar, dass sie nach einer Katastrophe innerhalb kürzester Zeit wieder zum Geschäft zurückkehren und ihre KundInnen bedienen können. Dies erfordert sowohl die Vorbereitung auf das Katastrophenrisiko als auch die Planung der Geschäftskontinuität.

Wie unterstützt Oikocredit MFIs dabei?

Oikocredit unterstützt schon seit langem Partner, die von Naturkatastrophen betroffen sind, mit Solidaritätsfonds. Um den aktuellen und künftigen Herausforderungen, die der Klimawandel bringt, zu begegnen, wurde das Naturkatastrophenmanagement 2014 in die Umweltpolitik von Oikocredit integriert.

Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst, den betroffenen Partnern sowohl bei kurzfristigen Erstmassnahmen als auch langfristig zu helfen. Dazu gehört auch, dafür zu sorgen, dass unsere Partner nach Katastrophen den Betrieb so bald wie möglich wieder aufnehmen können. Wir haben das DRRM-Programm entwickelt, um unseren Partnern zu zeigen, wie sie Katastrophenvorsorge und betriebliche Nachhaltigkeit besser in Risikomanagement integrieren können.

Wie wurde das DRRM-Programm entwickelt?

Das DRRM-Programm wurde 2014 auf den Philippinen als Pilotprojekt durchgeführt. Unsere dortigen MitarbeiterInnen waren hoch motiviert, da wir 2013 von vielen Katastrophen wie dem Super-Taifun Haiyan betroffen waren. Diese forderten tausende Menschenleben sowie auch grosse materielle Schäden.

Die Philippinen erleben jedes Jahr durchschnittlich 20 Taifune. Im Pazifischen Feuerring gelegen, ist das Land anfällig für häufige Erdbeben und Vulkanausbrüche. Aufgrund seiner geografischen Lage ist es auch sehr anfällig für Tsunami, steigende Meeresspiegel und Sturmfluten. Bei geringer Waldbedeckung kommt es auch häufig zu Erdrutschen und Überschwemmungen.

Im Jahr 2015 haben wir das Programm in anderen südostasiatischen Länder wie Kambodscha, Vietnam und Indonesien ausgerollt. Kürzlich wurde das Programm auch auf Ecuador ausgeweitet.

Marilou Juanito, regionale Koordinatorin für Capacity Building und Social Performance in Südostasien

Was beinhaltet die DRRM-Schulung?

Die Minderung des Katastrophenrisikos hängt vom Standort und vom konkreten Risiko ab. Das Training beginnt damit, dass MFIs ihren eigenen Kontext beurteilen. Welche Katastrophen könnten sie betreffen? Welche Risiken sind damit verbunden und was könnten mögliche Auswirkungen sein? Diese Schlüsselfragen bilden die Grundlage der DRRM-Planung, um eine Naturkatastrophe zu antizipieren.

Die Schulung umfasst auch die Planung der betrieblichen Kontinuität, um den Betrieb so schnell wie möglich nach einer Katastrophe wieder aufzunehmen. Was muss zuerst getan werden, um sich so schnell wie möglich zu erholen? MFIs lernen, ein zeitliches Ziel festzulegen, beispielsweise, um innerhalb eines Tages nach der Katastrophe die KundInnen wieder betreuen zu können.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Aufstellung von Notfallplänen. In diesen werden Ressourcen, Notfallzentren und Krankenhausstandorte sowie Notfallkontaktlisten festgehalten. Auch werden Logistiklösungen für Lebensmittel, Beleuchtung und Trinkwasserversorgung für die MitarbeiterInnen niedergeschrieben, denn in vielen Fällen können die MitarbeiterInnen das Büro nicht gleich verlassen.

Die Schulung umfasst auch die Einrichtung einer Telefonkette, die vom Hauptsitz bis zu den Finanzzentren und den KundInnen in den betroffenen Gebieten reicht, Finanzierungspläne und Anleitungen zur Evaluierung nach Katastrophenfällen.

Können Sie Beispiele für Ergebnisse des DRRM-Programms geben?

Für unseren Partner OCCCI ereignete sich eine Katastrophe, nachdem wir gerade unsere Schulung mit ihnen abgeschlossen hatten. Sie sagten, die Telefonkette sei eine sehr effektive Möglichkeit, alle Zentren und KundInnen rechtzeitig vor der Katastrophe zu warnen.

Ebenso habe ich kürzlich eines der Finanzzentren unseres Partners ASKI besucht und eine ihrer KundInnen gefragt, wie sie von Taifun Ompong betroffen war. Sie sagte, dass sie drei Tage zuvor von ASKI über den bevorstehenden Taifun informiert worden seien. Da die Reisernte bereits reif war, konnten sie ernten und hatten keine Verluste.

2016 war das Büro unseres Partners RPMI stark von Taifun Haima betroffen und musste den Betrieb an einen anderen Standort verlegen. Vor unserer Schulung dauerte es immer etwa eine Woche, aber nun konnten sie dank eines starken Business-Continuity-Plans am Tag nach dem Sturm wieder arbeiten. Auch im Oktober 2018 konnte RPMI dank der DRRM-Planung seine Hilfsmassnahmen nach Taifun Yutu schneller und effektiver starten. Am Tag nach dem Sturm wurden Hilfsgüter gesichert, verpackt und in die betroffenen Gebiete geschickt.

Schliesslich ist das Angebot von Mikroversicherungen ein wichtiges Instrument für die DRRM-Unterstützung für MFI-KundInnen. Zum Beispiel versicherte unser Partner Milamdec alle KundInnen. Als mehrere Häuser überflutet wurden, erhielten sie eine Entschädigung. Ebenso bieten unsere anderen Partner CARDASHI und ASKI Ernteversicherungen für ihre KundInnen.

Was ist der Zweck des DRRM-Leitfadens?

Der Leitfaden soll den MFIs als praktisches Handbuch für die Notfall- und Geschäftskontinuitätsplanung bei Naturkatastrophen dienen. Es wurde in Zusammenarbeit mit unserem Partner ASKI entwickelt und umfasst das vollständige DRRM-Training in zwölf Schritten. Die Erfahrungen wurden nach erfolgreichen Pilotversuchen von drei Mikrofinanzpartnern in Südostasien - RPMI, ASKI und TSKI - integriert.

Wir hoffen, dass dieser Leitfaden die MFIs inspirieren und ausrüsten wird, um sich weiterzuentwickeln und Vertrauen aufzubauen, um auf zukünftige Katastrophen zu reagieren und sie angemessen zu planen. Der Klimawandel findet bereits statt. Stürme werden stärker und Katastrophen häufiger. Wir müssen vorbereitet sein. Durch die Vorbereitung auf den Katastrophenfall werden die finanziellen Verluste erheblich reduziert und die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten, versorgt, wenn sie diese am dringendsten benötigen.