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Warum gibt es Förderkreise?

Privatpersonen werden nicht direkt Mitglieder der internationalen Genossenschaft Oikocredit. Sie treten stattdessen einem der beiden Schweizer Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Institutionen, die bei Oikocredit investieren.

Die Förderkreise sind für die treuhänderische Verwaltung der Gelder und die Mitgliederbetreuung zuständig. Sie sind Teil der internationalen Genossenschaft Oikocredit und üben dort ihr Stimmrecht aus.
In der Schweiz gibt es zwei Förderkreise: Oikocredit deutsche Schweiz und Oikocredit Suisse Romande. InvestorInnen wählen ihren Förderkreis gemäss Ihres Wohnsitzes und/oder ihrer sprachlichen Präferenzen. Italienischsprachige SchweizerInnen werden in beiden Förderkreisen gerne aufgenommen.

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«Wir gehen nicht den bequemen Weg»

«Wir gehen nicht den bequemen Weg»

DavidtenKroode.jpg März 2017

Seit 2014 finanziert Oikocredit gezielt Partner im Sektor erneuerbare Energien. Wir haben mit David ten Kroode, Manager für erneuerbare Energien bei Oikocredit, uber die Besonderheiten des Sektors und der dort benötigten Finanzinstrumente gesprochen.

Sehen Sie bei der Finanzierung große Unterschiede zu beispielsweise Mikrofinanzpartnern? Und: Benötigen neue Geschäftsideen neue Finanzmodelle?

Ja, für den Sektor der erneuerbaren Energien kann man das definitiv sagen. Der Sektor ist sehr divers in Sachen Größe, Reichweite und Nutznießer. Große Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel das Solarkraftwerk Valle Solar in Honduras werden in der Regel von mehreren Investoren durch Projektfinanzierungen bestritten. Andere Unternehmen sind noch deutlich kleiner und benötigen andere Formen der Finanzierung. Besonders spannend war für uns die Kooperation mit BBOXX in Kenia. Die Idee, über Solarstrom Menschen in ländlichen Regionen Strom ins Haus zu bringen, ist zukunftsweisend. Das Unternehmen hatte zuvor als Start-up ausschließlich Beteiligungen von Investoren für Unternehmensgründer erhalten. Diese gehen ein höheres Risiko ein, haben aber auch höhere Gewinnerwartungen. Oikocredit war das erste Unternehmen, das in der Lage war, über die Verbriefung einen für das Unternehmen günstigeren Kredit zu vergeben.

Ein anderes Beispiel ist die Verpachtung von Dächern für Solaranlagen In Indien. Das funktioniert so: Oikocredit verleiht als Besitzerin Solaranlagen mit 100-200 Kilowatt an Fourth Partner Energy. Das Solar-Unternehmen wiederum geht einen Vertrag mit den Besitzern großer Gebäude ein, auf deren Dächern sie die Anlagen installiert. Dieses sogenanntes Power Purchase Agreement (PPA) beinhaltet, dass sie den Strom, der auf ihren Dächern erzeugt wird, abnehmen. Der Vorteil für die Unternehmen ist, dass sie auf ihren Dächern produzierten Solarstrom beziehen können, ohne in hohe Anschaffungskosten investieren zu müssen. Das Projekt ist mit zwei Dächern erst angelaufen, aber wir hoffen auf eine gute Nachfrage.

In welchem Bereich sehen Sie das größere Potential: in kleinen oder großen Projekten?

In beiden. Dezentrale Solaranlagen in Afrika erhalten im Moment viel Aufmerksamkeit und es gibt eine Reihe interessanter Start-ups. Ihr Vorteil ist der hohe soziale Nutzen für wirtschaftlich benachteiligte Menschen in ländlichen Regionen. Aber die Industrie ist immer noch sehr klein im Vergleich mit Infrastrukturprojekten wie z.B. Windkraftanlagen oder Solarkraftwerken. Die beiden Beispiele sind zwei Extreme möglicher Partner für Oikocredit. Aber beide Arten von Partnern sind für uns strategisch wichtig.

Die Investment-Genossenschaft Oikocredit ist seit 40 Jahren Pionier sozial-ethischer Investitionen. Mehr als 54'000 Anlegerinnen und Anleger finanzieren Projekte des Fairen Handels, Erneuerbarer Energien, der Förderung von Frauen und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in über 70 Entwicklungs- und Schwellenländern.


Warum engagiert sich Oikocredit eigentlich im Bereich erneuerbare Energien?

Oikocredit investiert in Projekte und Unternehmen in Ländern, die normale Banken meist für zu risikoreich halten. Im Infrastrukturbereich finanziert die Genossenschaft Projekte, die für Geschäftsbanken eher zu klein sind. Und in Fällen wie z.B. BBOXX sind wir ein Pionier in der Schaffung von Finanzierungsinstrumenten für innovative Unternehmen mit hohem sozialem Nutzen.

Spielt Oikocredits Vision von „Gerechtigkeit“ und „Teilen” eine Rolle in Ihrem Job?

Ja, definitiv. Manche Projekte finanzieren wir vor allem, weil sie unserer Mission entsprechen und einen hohen sozialen und ökologischen Nutzen versprechen. Aus einer rein ökonomischen Perspektive wären sie vielleicht zu risikoreich. Aber Oikocredit muss einen Schritt weitergehen und sich das größere Bild anschauen: Wer profitiert? Auch in solchen Fällen möchten wir natürlich kein Geld verlieren, aber wir gehen ein höheres wirtschaftliches Risiko ein, weil wir daran glauben, dass das Projekt einen großen Nutzen haben kann. Dabei gehen wir nicht den bequemen Weg. Zum Beispiel beschäftige ich mich gerade mit Finanzierungsmöglichkeiten für bezahlbare Kochherde. Der Qualm aus offenen Feuerstellen führt zu Atemwegserkrankungen, davon betroffen sind Millionen Menschen. Zudem bedeutet es Kahlschlag für die Wälder. Das ist ein großes Problem in Ländernwie Ruanda, wo weite Teile der Bevölkerung beim Kochen von Holz und Kohle abhängig sind. Viele bisherige Initiativen Kochherde zu finanzieren sind gescheitert. Wir schauen, ob es eine Möglichkeit gibt, eine gangbare Finanzierung zu entwickeln. Oikocredit sucht gezielt nach solchen Projekten mit einem hohen sozialen Nutzen. Und im Zusammenspiel mit den klimafreundlichen Projektfinanzierungen in Infrastrukturvorhaben wie Solarkraftwerke oder Windkraft haben wir einen guten Mix an nachhaltigen und sozialen Partnerorganisationen.