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Suisse Romande Deutsche Schweiz

Warum gibt es Förderkreise?

Privatpersonen werden nicht direkt Mitglieder der internationalen Genossenschaft Oikocredit. Sie treten stattdessen einem der beiden Schweizer Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Institutionen, die bei Oikocredit investieren.

Die Förderkreise sind für die treuhänderische Verwaltung der Gelder und die Mitgliederbetreuung zuständig. Sie sind Teil der internationalen Genossenschaft Oikocredit und üben dort ihr Stimmrecht aus.
In der Schweiz gibt es zwei Förderkreise: Oikocredit deutsche Schweiz und Oikocredit Suisse Romande. InvestorInnen wählen ihren Förderkreis gemäss Ihres Wohnsitzes und/oder ihrer sprachlichen Präferenzen. Italienischsprachige SchweizerInnen werden in beiden Förderkreisen gerne aufgenommen.

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Oikocredit vor Ort in Kenia: Country Managerin im Interview

Carolina Mulwa_Oikocredit Januar 2018

Carolina Mulwa arbeitet seit zehn Jahren für Oikocredit und ist seit mittlerweile sieben Jahren Country Managerin in Kenia. Wir haben uns mit ihr über die Strategie von Oikocredit in diesem Land unterhalten.

Bitte erzählen Sie uns etwas über Oikocredits Portfolio in der Landwirtschaft in Kenia?

Wir haben großen Erfolg in der Landwirtschaft, und ganz besonders in der Milchwirtschaft. Eines unserer Hauptprojekte war Githunguri Dairy, das wir 2003 aufgebaut haben, um eine Milchverarbeitungsanlage für über 10.000 Bauern und Bäuerinnen am Rande von Nairobi zu schaffen. Früher mussten die Bäuerinnen und Bauern ihre Milch wegen fehlender Nachfrage teilweise wegschütten. Die lokale Bevölkerung hat das natürlich finanziell belastet. Oikocredit hat Githunguri Dairy deshalb dabei unterstützt, eine Machbarkeitsstudie durchzuführen und darauf basierend einen Business Plan zu erstellen.

Was waren die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit mit Oikocredit?

Die Umsetzung des Business Plans hatte einen starken sozialen Impact. Die Organisation schaffte nach nur sieben Jahren bereits einen Jahresumsatz von 50 Millionen US-Dollar! Außerdem hat das Unternehmen über 200 Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung geschaffen. Die Kooperative ist heute eine starke Marke und inzwischen der drittgrößte Milchverarbeitungsbetrieb in Kenia. Nach diesem Erfolg haben wir ein weiteres kleineres Unternehmen, Ol Kalou Dairy Ltd beim Erwerb von Anlagegütern unterstützt. Wir überlegen diesem Unternehmen den Erwerb von Produktverarbeitungsanlagen mit einem Darlehen zu finanzieren.

Welche anderen landwirtschaftlichen Zweige finanziert Oikocredit in Kenia?

Im Jahr 2013 haben wir uns in den Gartenbau gewagt und haben Greenforest Foods, ein kleineres Unternehmen in Nairobi, erfolgreich finanziert. Greenforest (Beachten Sie unseren Artikel "Nuss mit Genuss" über Greenforest Foods) verarbeitet, verpackt und verkauft Honig und Nüsse. Wir haben aber auch Interesse am Kaffeemarkt und möchten in den kommenden Monaten ein Darlehen an ein Kaffeeunternehmen vergeben. Um das Portfolio nicht zu stark zu diversifizieren, konzentrieren wir uns auf eben diese drei Bereiche: Milchprodukte, Kaffee und Gartenbau – möglicherweise auch Tee, denn darin sehen wir ebenfalls großes Potential.

Wie passt Greenforest Foods Ltd in diese Strategie?

Als Oikocredit die Regional- und Länderbüros beauftragte, ein Landwirtschaftsportfolio zu entwickeln, haben wir uns zuerst dafür entschieden, eine Studie in Ostafrika durchzuführen. Wir wollten herausfinden, auf welchen Bereich wir uns konzentrieren sollen. Für uns in Kenia waren die Sektoren Gartenbau und Milchprodukte am vielversprechendsten. Da wir mit Greenforest bereits kurz nach der Studie zusammenkamen, wurden deren Ergebnisse bestätigt: Nüsse fallen ja in die Kategorie Gartenbau. Es war sehr aufregend, dieses relativ kleine Unternehmen zu unterstützen, da es einen ausgesprochen positiven Einfluss auf viele lokale Bauern und Bäuerinnen hat. Das Projekt war aber gleichzeitig sehr herausfordernd, da wir in diesem Bereich noch keinerlei Erfahrung hatten.

Welchen Einfluss hat Greenforest in der Region?

Greenforest ist ein privates Familienunternehmen und war deswegen eigentlich ein eher untypischer Kandidat für eine Finanzierung, da es weder eine Kooperative, noch ein reines Produktionsunternehmen ist. Wie auch immer, der soziale Impact war extrem überzeugend, denn es wurden viele stabile Arbeitsplätze geschaffen und die lokalen Bauern und Bäuerinnen profitierten vom Verkauf der Nüsse. Erleichtert wurde unsere Entscheidung durch den Wunsch des Unternehmens, sich vom Import zu distanzieren. Dazu begann Greenforest mit USAID eine Partnerschaft, die die Entstehung eine lokale Wertschöpfungskette unterstützen sollte. Diese Bewegung hat das Leben von rund 3.000 lokalen Bauern und Bäuerinnen verbessert.

Die Investment-Genossenschaft Oikocredit ist seit 40 Jahren Pionier sozial-ethischer Investitionen. Mehr als 54'000 Anlegerinnen und Anleger finanzieren Projekte des Fairen Handels, Erneuerbarer Energien, der Förderung von Frauen und der kleinbäuerlichen Landwirtschaft in über 70 Entwicklungs- und Schwellenländern.

Können Sie uns weitere Details über das Capacity-Building Programm für Greenforest erzählen?

Kurz nach dem Beschluss zu Gunsten des Darlehens hat Greenforest eine Studie durchgeführt, um die beste Vermarktungsstrategie für die Erdnussproduktionslinie und die neuen Cashew-Produkte zu entwickeln. Teil der Ergebnisse der Studie war es, die Nuss-Produkte von den Honig-Produkten abzuheben, aber gleichzeitig die Verbindung zur beliebten Marke Greenforest aufrechtzuerhalten.

Oikocredit hat Greenforest mit den nötigen Mitteln unterstützt, um die Marke neu zu positionieren und die neuen Produkte zu vermarkten. Es wurde ein Marketing-Experte angestellt, um sich um die Neuvermarktung zu kümmern, wobei auch neue Verpackungen eingeführt wurden, die das Produkt abheben sollen.

Könnten Sie uns die Funktionsweise der Wertschöpfungskette für Nüsse und Honig und ihre Auswirkungen auf die Region erklären? Ist Honig ein wichtiger Teil der Ernährung in Kenia?

In der Vergangenheit hatte Honig eine eher unbedeutende Rolle in der kenianischen Ernährung. Im letzten Jahrzehnt wuchs die Mittelschicht in Kenia stark und so entstand eine gut informierte gesundheitsbewusste Zielgruppe. Honig fand schnell einen Platz am Frühstückstisch – als Ersatz für Zucker im Kaffee oder Tee sowie für Marmelade. Da die Bauern und Bäuerinnen schnell merkten, dass der Markt für Honig wächst und das Wissen über die Produktion weitergegeben wurde, wurde auch die Honigproduktion gesteigert. Trotzdem ist die Wertschöpfungskette in Kenia im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten noch etwas unterentwickelt. Ähnlich verhält es sich mit den Nüssen. Sie sind zu einem beliebten Snack in der Mittelschicht geworden. Die Nüsse, die in Kenia angebaut werden, sind meist sehr klein und daher eher für Erdnussbutter und Erdnusssoßen geeignet. Am Land, besonders im Westen Kenias, gelten Erdnüsse als wichtige Proteinquelle für die Bevölkerung. Jene Erdnüsse, die als Snack verzehrt werden, sind meist größer und überwiegend aus Malawi importiert.

Durch die Unterstützung das USAID-Projekts Feed the future hilft Greenforest die Produktion von verschiedenen Arten von Erdnüssen zu steigern, um die eigenen Lieferungen zu gewährleisten und die Gemeinschaft mit einem finanziell sinnvollen Projekt zu stärken.

Welche Vorteile wurden durch die Zusammenarbeit von Oikocredit in Ostafrika und in nördlichen Regionen Südamerikas geschaffen?

Die Zusammenarbeit spielte eine wichtige Rolle, da wir bei Oikocredit Ostafrika unterstützt wurden, um wichtige Projekte in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette zu identifizieren. Es half uns dabei Güter zu identifizieren, die wir unterstützen möchten. Das Ergebnis daraus war unser Investment in zwei Kaffeeunternehmen in Ruanda und eines in Uganda sowie in ein Gartenbau-Projekt in Kenia, nämlich die schon oben genannte Zusammenarbeit mit Greenforest Foods.

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