Wählen Sie Ihre Region

Fenster schließen
Suisse Romande Deutsche Schweiz

Warum gibt es Förderkreise?

Privatpersonen werden nicht direkt Mitglieder der internationalen Genossenschaft Oikocredit. Sie treten stattdessen einem der beiden Schweizer Förderkreise bei, über den sie bei Oikocredit Geld anlegen. Das gilt auch für Institutionen, die bei Oikocredit investieren.

Die Förderkreise sind für die treuhänderische Verwaltung der Gelder und die Mitgliederbetreuung zuständig. Sie sind Teil der internationalen Genossenschaft Oikocredit und üben dort ihr Stimmrecht aus.
In der Schweiz gibt es zwei Förderkreise: Oikocredit deutsche Schweiz und Oikocredit Suisse Romande. InvestorInnen wählen ihren Förderkreis gemäss Ihres Wohnsitzes und/oder ihrer sprachlichen Präferenzen. Italienischsprachige SchweizerInnen werden in beiden Förderkreisen gerne aufgenommen.

Deutsche Schweiz
Suche

Nachhaltige Geldanlage bei Oikocredit

Positive Wirkung erzielen Attraktive Alternative Genossenschaft seit 1975

Geldanlage mit Sinn
Geldanlage mit Sinn

Bridging the Gender Gap

Bridging the Gender Gap

Ka+Oting+1.JPG26. September 2019

Wie mit einfachen Techniken die Kluft zwischen den Geschlechtern überbrückbar wird, Männer sich an Waschmaschine und Elternabende gewöhnen und Frauen erfolgreiche Schweinezüchterinnen werden. Ein Bericht aus der Praxis des Capacity Building bei Oikocredit.

Noch bis vor Kurzem sah sich Ka Oting Villanueva innerhalb der Familie ausschließlich in der Rolle des Ernährers – wie viele Männer in der philippinischen Provinz Negros Occidental auch. „Früher hat er im Haushalt gar nichts gemacht“, sagt seine Frau. „Das wäre ihm gar nicht eingefallen!“

Entsprechend überrascht war Villanueva, als die Mikrofinanzinstitution Negros Women for Tomorrow Foundation (NWTF) ihn zu einer Schulung zur Sensibilisierung in Genderfragen einlud. Für Ka Oting Villanueva fielen solche Kurse in dieselbe Kategorie wie Haushaltsführung: Frauensache. Dennoch nahm er teil. Heute sagt er, das Schulungsprogramm Financial Action Learning System (FALS) habe sein Leben und das seiner Familie von Grund auf verändert.

„Ich verbringe jetzt meine Freizeit mit meiner Familie“, sagt Villanueva. „Das kam früher nicht vor. Jetzt gehe ich auch zu den Veranstaltungen in der Schule meiner Kinder – früher habe ich das meiner Frau überlassen.“

Wirtschaftliche Emanzipation und Wissen

Villanuevas neuer Blick auf seine Rolle ist nur eine von vielen erfreulichen Wirkungen, von denen Teilnehmer*innen im Gespräch mit Oikocredit-Mitarbeiterinnen nach Abschluss der Schulungen berichteten. Das FALS-Programm geht auf ein Projekt zurück, das Oikocredit im Rahmen des Capacity Building-Angebots (Beratung und Schulungen) gemeinsam mit der Kirche von Schweden finanziert: Bridging the Gender Gap in Responsible Finance. Entwickelt wurde die FALS-Methodik von der britischen Politikwissenschaftlerin Linda Mayoux, die sich schwerpunktmäßig mit Gender Empowerment, also gerechten Geschlechterverhältnissen beschäftigt.

Für den Einsatz zur Schulung von Mitarbeiter*innen und Kund*innen der beiden philippinischen Oikocredit-Partner ASKI* und NWTF wurden die Techniken an deren Bedürfnisse angepasst. Beide Partnerorganisationen bieten inklusive Finanzdienstleistungen für Kreditnehmer*innen und Kleinstunternehmer*innen mit geringem Einkommen. Sieben Instrumente wurden für das Programm bei Oikocredit entwickelt, im Zentrum der anschließenden Wirkungsevaluierung standen fünf Instrumente, die von den Teilnehmer*innen besonders gut angenommen und umgesetzt worden waren: die Visions-Reise, der glückliche Familienbaum (Happy Family Tree [HFT]), Karte zur finanziellen Selbstbestimmung (Finance Empowerment Map [FEM]), Aktionsbaum für Geschäftsherausforderungen (Business Challenge Action Tree [BCAT]) und Finanz- Darleehensmanagement /Finance/Loan Management Calendar [F/LMC]). Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

Bessere Beziehungen zwischen den Geschlechtern

Das Projekt diente in erster Linie der wirtschaftlichen Emanzipation von Frauen und Männern in ihren Haushalten und der Verbesserung der Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Geschlechtergerechtigkeit zu fördern ist eines der erklärten Ziele von Oikocredit. Gleichzeitig ermöglicht das Projekt den Partnerorganisationen in der Mikrofinanz, in den gemeinsamen Schulungen mehr über ihre Kundschaft zu erfahren und ihre Produkte präziser auf deren Wünsche und Bedarfe auszurichten.

Ka Oting Villanueva wurde als Sprecher eines Zusammenschlusses von Fischern, die mit NWTF zusammenarbeiteten, zur Teilnahme am FALS-Programm eingeladen. Ein Blick durch die „Geschlechterbrille“ sollte ihnen einen (selbst-)kritischen Blick auf die Verteilung von Haushaltsarbeiten zwischen Männern und Frauen ermöglichen.  

Einfache und wirkungsvolle Techniken

Eines der Instrumente, die Mitarbeiter*innen und Kund*innen von NWTF und ASKI an die Hand gegeben wurden, war der Happy Family Tree. Dieses Instrument leitet die Kund*innen an, die Verteilung von Aufgaben im Haushalt, beim Vermögen und bei Entscheidungsprozessen in ihrer Familie als Zeichnung sichtbar zu machen und zu hinterfragen. Anfangs hätten die Teilnehmer*innen gezögert. Sie hatten Sorge, von den anderen Teilnehmer*innen ausgelacht zu werden, berichteten die Trainer*innen. Doch das habe sich rasch gelegt, als deutlich wurde, dass es nicht um die Qualität der Zeichnungen ging, sondern um deren Inhalt – und wie hilfreich die Visualisierung und das Gespräch darüber sind.

Ka Oting Villanueva (Mitte) während des FALS-Trainings.

Effektivere Verwaltung der Finanzen

Marilou Juanito, die Capacity Building und Social Performance für Oikocredit in Südostasien koordiniert, hat das Bridging the Gender Gap-Projekt gemeinsam mit Malu Padilla, bei Oikocredit International für das Programm zuständig, koordiniert. Beide nahmen auch als Beobachterinnen an den Trainings teil. Marilou Juanito spricht mit großer Begeisterung über das Ergebnis der FALS-Schulungen: „2017 haben wir mehrere Kund*innen von NWTF und ASKI eingeladen, daran teilzunehmen. Es dauerte nicht lange, bis die Teilnehmer*innen begonnen haben, Änderungen in ihren häuslichen Beziehungen und bei der Verwaltung ihrer Finanzen umzusetzen. Ich war selbst überrascht, wie wirkungsvoll diese relativ einfachen Tools für das Gender Empowerment sind.“

Marilou Juanito weiter: „Und was den Zugang zu Finanzdienstleistungen angeht, ist es immens wichtig, dass die Finanzinstitute nachvollziehen können, in welchen Kontexten ihre Kund*innen leben und was sie wirklich brauchen. Dazu tragen die FALS-Instrumente ebenfalls bei. Sie machen sichtbar, welche finanziellen und nichtfinanziellen Dienstleistungen am dringendsten benötigt werden.“

Geteilte Hausarbeit führt zu mehr Erfolg

Malu Padilla: „Was mir vor allem auffiel, war, wie das Training zum Finanzmanagement die Einstellung der Teilnehmer*innen zur Rollenverteilung im Haushalt veränderte. FALS hat ihnen eindringlich vermittelt, dass der Erfolg ihrer kleinen Familienbetriebe maßgeblich davon abhängt, dass Männer und Frauen sich die Haushaltsarbeit teilen.“

„Um ihnen diesen Zusammenhang eindrücklich vor Augen zu führen, sollten die Teilnehmer*innen überlegen, wie man sich Zeit für anderen Aufgaben nimmt, wenn man stundenlang Wäsche waschen muss“, so Padilla weiter. „Wie macht man das? Nicht, indem man eine zweite Wäscherin einstellt (das hatte ich zunächst gedacht), sondern indem man eine Waschmaschine kauft. So können auch die Männer lernen, wie man die Maschine bedient. Im Ergebnis muss sehr viel weniger Zeit auf das Waschen verwendet werden, und man hat Zeit für die Aufgaben, die den landwirtschaftlichen Betrieb voranbringen.“

Kredite bedeuten mehr als Leihen und Zahlen

ASKI-Kundin Irene Valdez sagt, sie plane seit sie an der Schulung teilgenommen habe voraus und wäge alle Aspekte der finanziellen Unterstützung, die sie von ASKI erhält, sorgfältig ab. „Vor der Schulung kam es mir wie ein Kreislauf aus Leihen und Zahlen vor“, sagt sie. „Durch FALS weiß ich jetzt, dass meine Kredite einen echten Zweck verfolgen. Ich habe gelernt, meine eigenen Ziele klar zu definieren, zu planen, wie ich sie erreichen kann und darauf hinzuarbeiten.“ Seit Abschluss ihrer FALS-Schulung investiert Irene die Ersparnisse aus ihrem kleinen Ladengeschäft in die Schweinezucht: Sie zog eine Sau auf und verkaufte die Ferkel.

Ein wichtiger Faktor für den Erfolg des FALS-Projekts war, so die Koordinatorinnen, aus den Reihen der Teilnehmer*innen sogenannte Projekt-Champions zu ernennen und sie besonders zu schulen.

FALS-Projekt-Champions wirken bis in ihre Netzwerke

Für NWTF-Kundin Josephine Osorio hat die Beteiligung am FALS-Projekt und ihre Position als Projekt-Champion weitreichende Folgen für sie selbst, ihre Familie und ihr gesamtes Netzwerk. Die Schweinezüchterin war besonders von dem FALS-Tool Financial Management Calendar angetan. Der Kalender half ihr dabei, ihre eigenen Sparziele zu setzen, Kapital für ihren Betrieb anzusparen und die Zahl ihrer Sauen und Ferkel innerhalb eines Jahres zu verdoppeln. „Mit den Einkünften aus meinem Geschäft konnte ich mein Haus reparieren“, sagt Osorio. „Priorität hat allerdings der Bau eines richtigen Schweinepferchs, denn mit den Schweinen verdiene ich mein Einkommen und das ermöglicht mir, meine fünf Kinder zur Schule schicken“. Einer ihrer Söhne ist ihrem Beispiel gefolgt und wurde ebenfalls ein FALS-Champion. Dabei machte er einen so guten Eindruck, dass NWTF ihm eine Stelle im Unternehmen anbot.

Als Projekt-Champion hat Josephine Osorio ihre FALS-Instrumente mit den 25 Mitgliedern der ländlichen Bauern- und Frauenorganisation, die sie leitet, geteilt. Sie half ihnen dabei, die Tools anzuwenden und gründete eine Gruppe, die sich gegenseitig unterstützte. Die Erfolge der Organisation und ihr ganzheitlicher Ansatz sprachen sich herum. Inzwischen ist die Pacol Farmers and Rural Women’s Association auf600 Mitglieder angewachsen, ein Nebeneffekt des FALS-Programms, das ganz dem Netzwerk-Gedanken und dem Wunsch nach größtmöglicher Wirkung bei Oikocredit entspricht.

Aktion zum Frauentag statt Hahnenkampf

Ka Oting Villanueva, der dachte, dass die Rolle des Ehemanns sich auf die des Ernährers beschränkt, und seine gesamte Freizeit mit der Aufzucht von Kampfhähnen verbrachte, soll das letzte Wort haben. 

„Fragen Sie einfach meine Frau“, sagt er augenzwinkernd: „Neulich hat sie gesagt: Jetzt haben meine Kinder endlich einen richtigen Vater!“

Als sich seine FALS-Fokusgruppe Anfang März zur Evaluierung traf, musste Villanueva passen: Er war mit einer Aktion zum Internationalen Frauentag beschäftigt und befreite gemeinsam mit seinen Fischerkollegen ein Stück Küste vom Müll.

Noch bis vor Kurzem sah sich Ka Oting Villanueva innerhalb der Familie ausschließlich in der Rolle des Ernährers – wie viele Männer in der philippinischen Provinz Negros Occidental auch. „Früher hat er im Haushalt gar nichts gemacht“, sagt seine Frau. „Das wäre ihm gar nicht eingefallen!“

Entsprechend überrascht war Villanueva, als die Mikrofinanzinstitution Negros Women for Tomorrow Foundation (NWTF) ihn zu einer Schulung zur Sensibilisierung in Genderfragen einlud. Für Ka Oting Villanueva fielen solche Kurse in dieselbe Kategorie wie Haushaltsführung: Frauensache. Dennoch nahm er teil. Heute sagt er, das Schulungsprogramm Financial Action Learning System (FALS) habe sein Leben und das seiner Familie von Grund auf verändert.

„Ich verbringe jetzt meine Freizeit mit meiner Familie“, sagt Villanueva. „Das kam früher nicht vor. Jetzt gehe ich auch zu den Veranstaltungen in der Schule meiner Kinder – früher habe ich das meiner Frau überlassen.“

Als sich seine FALS-Fokusgruppe Anfang März zur Evaluierung traf, musste Villanueva passen: Er war mit einer Aktion zum Internationalen Frauentag beschäftigt und befreite gemeinsam mit seinen Fischerkollegen ein Stück Küste vom Müll.

*ASKI war zu der Zeit, als das Projekt stattfand, ein Oikocredit-Partner. Zwischenzeitlich hat ASKI das Darlehen zurückgezahlt.

« Zurück

Einblicke in unsere Arbeit

Bridging the Gender Gap

Ka+Oting+1.JPG26.09. Wie mit einfachen Techniken die Kluft zwischen den Geschlechtern überbrückbar wird, Männer sich an Waschmaschine und Elternabende gewöhnen und Frauen erfolgreiche Schweinezüchterinnen werden. Ein Bericht aus der Praxis des Capacity Building bei Oikocredit. Lesen Sie weiter

Wirkungsbericht 2019 - Gemeinsamer Blick aufs Wesentliche

Ging-Ledesma-web.jpg24.09. Wir sprachen mit Ging Ledesma, Direktorin Soziale Wirkung und Innovation bei Oikocredit, darüber, was hinter den Zahlen in unserem Wirkungsbericht 2019 steckt. (Video und Text) Lesen Sie weiter

Oikocredit veröffentlicht den Wirkungsbericht 2019

Oikocredit-Wirkungsbericht-2019_DE-cover.jpg10.09. Oikocredits Wirkungsbericht ist jetzt zum Download verfügbar! Er ersetzt den „Bericht zum sozialen und ökologischen Wirkungsmanagement“ und enthält Daten aus allen Arbeitsbereichen Oikocredits. Lesen Sie weiter

Weitere Einblicke in unsere Arbeit

Unsere Geldanlage bei Oikocredit erfolgt mit der Überzeugung und dem Wissen, dass unser Geld dort sinnvoll für kleinbäuerliche Landwirtschaft eingesetzt wird.

Markus Brun Fastenopfer – Leiter Bereich Süd

Oikocredit deutsche Schweiz

  • 2'250 InvestorInnen

    aus der Deutschschweiz

  • 58 Mio. Franken

    investiertes Kapital Deutschschweiz

  • Seit 1983

    Oikocredit in der Deutschschweiz

Mehr Fakten und Zahlen